Wieso eigentlich freiwillig?

Wer gestern KnackAttack gesehen hat, bemerkte wahrscheinlich im Hintergrund unser Banner vom letzten Mittwoch, auf dem stand “joiz aufs Analognetz! Freiwillig!”. – Wieso eigentlich freiwillig? Könnten wir nicht auf der Must-Carry-Bewilligung durch das BAKOM beharren?

Die Sache ist komplexer als man auf den ersten Blick erkennt. (Und um es klar und deutlich zu sagen: es hat nichts mit der Frage zu tun, ob digital besser als analog ist und wann das Analognetz abgeschaltet werden soll. Diese Fragen sind uns egal. Es geht um Fairness und Gerechtigkeit gegenüber allen Jugendlichen, die zuhause nur analoges Fernsehen haben.)

Um zu verstehen, wieso wir fordern, dass Cablecom joiz freiwillig aufs Analognetz schaltet, müsst Ihr die folgenden Fakten kennen:

  1. Cablecom findet joiz so gut, dass sie schon ihre Partner aus Holland und Österreich eingeladen haben, damit die sich joiz anschauen können. Denn Cablecom erwägt, joiz ins Ausland zu exportieren. So schlecht kann joiz ja dann wohl nicht sein.
  2. Im krassen Gegensatz dazu schreibt Cablecom dem Bundesverwaltungsgericht am 16. Mai 2011 über joiz: «”heisse Scheiss und dampfende Kacke” oder ungezwungenes, mit Musik unterbrochenes “Rumgeblödel” = Service Public? Selbst wenn man davon ausgehen müsste, dass die heutige Jugend halt so ist bzw. so spricht (was in dieser Pauschalität bestritten ist), ist diese Frage zu verneinen, weil aus solch banalisiertem Inhalt weder ein kultureller, noch ein gesellschaftlicher Mehrwert geschöpft werden kann.»
  3. Verschiedene Mitarbeiter von Cablecom haben uns mitgeteilt, es gehe Cablecom in Wirklichkeit um eine politische Machtdemonstration. Sie wollen markieren, dass sie sich vom Staat nicht vorschreiben lassen wollen, was sie ausstrahlen und was nicht. Die von den USA gesteuerte Cablecom wolle ein Exempel statuieren. Dass es ausgerechnet joiz erwischte, sei halt Pech für den Sender. Die Begründungen für die Verweigerung seien einfach vorgeschoben worden.
All dies passt irgendwie zusammen. Cablecom findet joiz eigentlich gut, will aber unbedingt ein Exempel statuieren und erfindet deshalb eine Argumentation, die an den Haaren herbeigezogen (und die Schweizer Jugend beleidigend) ist. Der Zweck heiligt die Mittel…
Und die Schweizer Jugend hat mal wieder das Nachsehen, ihr Sender wird zwischen den wirtschaftspolitischen Interessen eines globalen Konzerns und der Politik in Bern zerbröselt. Man kann dazu stehen, wie man will. Aber eins verstehen wir nicht. Wieso nimmt Cablecom joiz nicht freiwillig ins Analognetz? Cablecom könnte ja trotzdem weiter gegen die Must-Carry-Bewilligung kämpfen. Wenn das Unternehmen joiz freiwillig ins Analognetz nimmt, jetzt, wo man gesehen hat, wie sehr der Sender die Jugend, die ihn kennt, bewegt, dann könnte Cablecom das locker begründen, ohne von seiner Ablehnung gegen eine verpflichtende Aufschaltung abrücken zu müssen. Und wir könnten uns endlich dem übergeordneten Thema widmen: “Mehr positive Präsenz der Schweizer Jugend in den Medien”.
Cablecom, Du hast es in der Hand, eine Situation zu schaffen, in der wir alle gewinnen. Jetzt gib’ Dir einen Ruck, Du alte Tante. Die Jugend, Deine zukünftige Kundschaft, wird es Dir danken. (Und wir würden Dich dann endlich UPC Cablecom nennen, weil Du Dir den Namenswechsel dann verdient hättest.)
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Kommentare

  • Peter Burkhard  Am 05/07/2011 um 16:29

    Wir Freunde von HD wollen uns nicht von Anlaog Anhänger unser Vergnügen vermiesen lassen. Joiz gibt bei CC Digital und das reicht.

    • mymyteam  Am 05/07/2011 um 16:35

      Ganz schön egoistische Einstellung, die man weiter kaum kommentieren muss. Es geht auch nicht um Euch, sondern um die Jugendlichen (und deren Eltern und Grosseltern) in den 1 Mio. Haushalten, die joiz nicht empfangen können, solange es nur analog läuft. #joizanalog

  • Chris  Am 05/07/2011 um 16:41

    Es sind eben gerade die Analog-Zuschauer, die egostisch sind.
    Wegen den analogen Sendern haben HDTV Fans KEINE Möglichkeit HD zu sehen. (Ist in Basel der Fall).
    Obwohl man das volle Abo zahlt, gibt es kein History HD.

    Man kann aber für 4 Franken pro Monat digitales TV sehen. (Alternativ hat Swisscom auch spezielle Angebote für die Jugend)

    Was spricht dagegen, dass ihr mal Alternativen zu analog anspricht? Das ganze hat einfach einen Beigeschmack.

    Rein in der Theorie sieht man also wer da egoistisch ist.
    Wir können also auch fragen “Wieso mögt ihr uns kein HD gönnen?”

    • mymyteam  Am 06/07/2011 um 09:21

      Das ist doch einfach Unsinn, jenseits sämtlicher Realitäten. Du tust so, wie wenn wir über die Abschaltung von Analog entscheiden könnten. Da müssen wir Dich leider enttäuschen. Wir sind Jugendverbände, kein BAKOM, kein Bundesrat und auch keine grosse Konzernleitung. Wäre schön, wenn wir so viel Macht hätten, aber es ist nicht so, also lasst uns doch einfach in Ruhe damit.

      Wir gönnen Euch ja Euer Digital-TV, und wenn es nur noch digital gäbe, wäre uns das auch recht. Aber es ist halt nun mal so, dass es weiterhin analog gibt, worüber andere entscheiden als wir oder Cablecom. Und solange es analog gibt, gehört joiz auch aufs Analognetz. Es werden ja dadurch nicht mehr Analogsender, denn einer davon wird gekippt werden müssen. joiz nimmt Euch also kein bisschen Bandbreite weg.

      Debatte beendet. #joizanalog

      • Venty  Am 09/08/2011 um 17:46

        Anstatt dauernd analoges TV zu fordern, solltet ihr euch gescheiter dafuer einsetzen, dass beim Digital-TV die Grundverschluesselung faellt! Damit waer viel mehr erreicht, als wenn noch lange an veralteter und bandbreitenfressender Technologie festgehalten wird.

  • Chris  Am 06/07/2011 um 10:52

    Ich habe das nur generell gesagt.

    Ihr könnt Bayern gerne ersetzen. Ich bin einfach auf die Reaktion der Medien gespannt :) Ob man Cablecom böse ist, weil sie Bayern “abschaltet”

    In Basel kann die Cablecom übrigens nicht entscheiden. Da gibt es eine eigene Stiftung.

  • mymyteam  Am 06/07/2011 um 11:50

    Danke. Was ist das für eine Stiftung in Basel?

    Im übrigen kann man davon ausgehen, dass unsere Kampagne in Tat und Wahrheit zu einer weiteren Verbreitung von Digital beiträgt, denn der eine oder die andere wird sich nun wegen joiz für Digital entscheiden, weil das sozusagen der letzte Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt. Insofern könntet Ihr eigentlich beruhigt sein. Wir gehen auch davon aus, dass es die Strategie von Cablecom ist, wegen joiz mehr Digitalkunden zu bekommen.

    Ihr solltet also eigentlich nur positiv über joiz reden. Dann steigen ein paar mehr auf Digital um. Einen Fall kennen wir schon.

  • Chris  Am 06/07/2011 um 12:30

    Das Kabelnetz Basel gehört einer Stiftung.
    Diese entscheidet was abgeschaltet wird.
    Cablecom kann also in Basel Joiz nicht einfach aufschalten.

    Und ich hab das Programm von Joiz immer wieder gelobt.

  • mymyteam  Am 06/07/2011 um 13:21

    Danke. Fürs Lob und die Info. Übrigens, bei Deinem ersten Kommentar hatten wir nicht gemerkt, dass Du es warst, sondern meinten, es sei eine Antwort von Peter Burkhard :-)

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